Zeitzeugenbericht Alfred Hosp

Bevor wir die Schüler Bruno Grönings wurden, hatten wir sehr viele Bücher über angeblich geistige Zusammenhänge gelesen. Darunter waren die tollsten Schilderungen von vergangenen und künftigen Schöpfungsperioden Gottes sowie genaue Beschreibungen von den Bedingungen in den geistigen Reichen. Andere Literatur beschrieb den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang (anno 1950) in den düstersten Farben, so dass einem schier eine panische Angst eiskalt über den Rücken kroch. All diesen, oft sehr spannend geschriebenen Werken, war trotz ihrer phantasievollen Ausführlichkeit eines gemeinsam: Sie befassten sich hauptsächlich mit okkulten, jenseitigen Schilderungen, gaben aber nur in den seltensten Fällen konkrete Hinweise zur Bewältigung des täglichen Lebens. (…) Als ich Bruno Gröning mit einem gewissen Stolz darauf hinwies, dass wir uns in geistigen Dingen auskennen, da wir schon sehr viele okkulte Bücher gelesen hatten, fragte er uns unvermittelt, indem er unwissend tat: „Okkult, was ist Okkultismus? Was bedeutet das?“ Ich war über diese Frage sehr erstaunt und antwortete wichtigtuerisch: „Aber, Herr Gröning, das ist doch das Wissen um die geistige Geheimlehre!“ Dieser antwortete bedächtig: „Soso, Geheimlehre! Bei Gott gibt es keine Geheimnisse. Das haben nur die Menschen in ihrer Überheblichkeit gesagt, um sich selbst herauszustellen. Merke dir was ich jetzt sage: Die Zeit der Geheimnistuerei ist endgültig vorbei! Es wird nun in aller Öffentlichkeit ohne Umschreibungen gesagt, was der Mensch benötigt und was Gott will. Die Verbindung zu Ihm hat jeder nötig. Da gibt es keine Ausnahmen, (…).“ (Quelle: Alfred Hosp, „Kräfte des Geistes“, Eigen Verlag, S.63 bis 65)

Irgendwann wurde (…) das Thema „Geistige Kundgaben“ angeschnitten. Einige Anwesende erzählten, was sie diesbezüglich alles erlebt hatten, und dass es Menschen gäbe, die von sich aus behaupten, hellsichtig zu sein. Sie könnten Engel sehen, ja sogar bis in den Himmel hinein blicken. Die Frage: Ob das alles wohl seine Richtigkeit habe, wurde an Gröning gerichtet. Dieser antwortete ernst und bestimmt: „Viele Menschen haben eine Bildung, bei den meisten ist es jedoch eine Einbildung. Sie vermeinen etwas zu sehen oder zu hören. Das meiste entspringt aber nur aus ihren Wünschen, eignen Vorstellungen oder ihrer Geltungssucht. In den geistigen Bereichen gibt es viele Täuschungen, umso mehr, weil die meisten Medien nicht wissen, wer sich wirklich hinter dem sogenannten ´Hohen Geistwesen` verbirgt, für das es sich medial ausgibt. Meist handelt es sich jedoch um ganz niedrige, ja böse Geister, die sich des Körpers willensschwacher und leichtgläubiger Menschen bedienen, um Verwirrung zu stiften. Die Gefahren bei solchem Tun liegen jedoch zusätzlich darin, dass sich – aus zunächst harmlos erscheinenden Spinnereien – schwere Besetzungen ergeben können, die zur Abhängigkeit, zum Wahnsinn und schließlich bis zum Selbstmord dieser Menschen führen können, da sie dann nicht mehr Herr über ihre Gedanken und Gefühle sind. Ich warne Sie, liebe Freunde, das Böse lauert immer und überall – um die Neugierigen und jene, die stets noch mehr wissen wollen, vom guten, vom göttlichen Weg, abzubringen. Sie werden durch phantastische Kundgaben und Versprechungen verlockt und verleitet, indem Ihnen das Wahre, das Natürliche vorenthalten wird.“ (Quelle: Alfred Hosp, „Kräfte des Geistes“, Eigen Verlag, S.72 bis 73)

Bruno Gröning sagte einmal: „Auch die Weltlage wird von Gott gesteuert; es wird nur das zugelassen, was den Menschen zur Belehrung dient. Aber glauben Sie mir, das Gute wird letzlich siegen, denn so wie es heute in Europa aussieht, bleibt es nicht. In Zukunft wird sich der Kommunismus auflösen und der eiserne Vorhang sowie alle anderen Beschränkungen werden fallen. Die Jüngeren unter Ihnen werden auch das Vereinte Europa mit gemeinsamer Währung erleben. Ja Freunde, da gibt es dann weder Mark noch Schillinge oder Franken! In jedem europäischen Land wird man mit dem gleichen Geld bezahlen können. In weiterer Folge wird es einst selbstverständlich sein, dass sich alle Menschen die hier leben, nur noch als Europäer bezeichnen und sich dann aber auch als solche fühlen werden. Das ist aber noch nicht alles. Später beschließt letztlich die Menschheit, nach vielen bitteren Erfahrungen, eine Welt-regierung zu gründen, wobei mit allen Vollmachten ausgestattete, internationale Eingreiftruppen dafür sorgen werden, alle drohenden Konflikte im Keime zu ersticken. Auf diese Weise lernen dann die Menschen ihre Meinungsunterschiede in Liebe, Güte und mit Vernunft zu regeln. Wenn also die Lehre Christi, dass heißt die Gewaltlosigkeit, auf der ganzen Welt in die Tat umgesetzt sein wird, ist jenes Zeitalter angebrochen, das dem Wunsche Gottes entspricht.“ Verständlich, dass damals, im Jahre 1956, unter den Anwesenden betretenes Schweigen herrschte, wenn man dabei berücksichtigt, dass wir am Höhepunkt des kalten Krieges lebten, und daher das eben Gehörte reichlich phantastisch klang. Für uns Österreicher  war damals eine Union mit Deutschland – auch nicht im Rahmen eines vereinten Europas – kaum vorstellbar. (Quelle: Alfred Hosp, „Kräfte des Geistes“, Eigen Verlag, S.121 bis 123)