Entscheidung zwischen Gut und Böse

Kapitel 16 von 120 aus dem Buch “Die Lehre Bruno Grönings – Aufruf zur Nachfolge Christi”

(1) Verkennen und vergessen Sie nicht, Freunde, dass der Mensch zwischen Gut und Böse lebt. Dazwischen lebt er: da das Gute, da das Böse, zwischendrin ist der Mensch, er entscheidet. Wenn er zu schwach ist, verfällt er dem Bösen, fällt er herab. Dann kann er diesen Weg, der aufwärts führt, nicht gehen, da mangelt es an Kraft, er fällt ab, fällt dem Bösen in die Arme und ist ihm dann ausgeliefert. Wenn da nicht eine rettende, eine helfende Hand kommt und ihn da herausreißt, ist er verloren für eine schöne Zeit. Er wird dann dem Bösen dienen müssen. Wer aber er – kannt hat, (…) dass das Böse Sie, dass das Böse Ihren Körper herabgewürdigt, dass Sie das Stimmrecht über Ihren Körper verloren, dass Sie mit Ihrem Willen Ihren Körper nicht mehr bestimmen konnten, weiß, dass es hier an Kraft fehlt, der Willens – kraft; denn zu dem Willen gehört auch die Kraft. Es gibt zwei Quellen: die böse ist die abbauende, die gute die aufbauende. Zu welcher Sie jetzt den Anschluss haben, darauf kommt es an. Hier wird Ihnen die Hand gereicht, hier werden Sie wirklich geführt, hier haben Sie sich selbst zu überzeugen, hier sollen Sie nicht leichtgläubig sein, hier haben Sie all das zu tun, was Sie sich selbst schuldig sind! Und dann werden Sie glauben, dann sind Sie kein leichtgläubiger Mensch mehr! So der Mensch aber, der das Böse erfahren hat, mit dem Bösen nichts gemein haben will, dann soll er sich lossagen, dann hat er selbst entschieden, hier spricht sein Wille. Gottes Wille ist bestimmt, Gott will, dass dem Menschen geholfen wird, so er erkannt hat, dass das Böse ihn herabgewürdigt – Gott hilft ihm, Gott führt ihn, und Gott verzeiht auch. (05.10.1958)

(2) Zwei Herren können Sie nicht dienen. Nicht auf der einen Seite dem Bösen und auf der anderen Seite Gott! Und dazwischen sind Sie ein Heuchler, ein Lügner, ein Betrüger – Sie sind nicht einmal ehrlich zu sich selbst. Dieses alles müssen Sie ablegen, all das – ich sage es noch einmal -, all das, was Sie bisher in diesem Erdenleben als böse empfunden haben, müssen Sie ganz beiseite stellen. Sie müssen dem Bösen den Rücken kehren. Sie müssen den anderen Weg gehen. Und daher rufe ich Sie auf zur großen Umkehr! Gehen Sie den Weg, so wie er Ihnen von Gott – uns allen durch Christus – bestimmt ist. (04.12.1958)

(3) Alle, die zwischen Gut und Böse leben, die haben noch die Chance; diese Chance sollten sie nützen. Dieses geschieht (…) erst dann, wenn der Mensch sich selbst zur Ruhe bewegt. Denn das muss er zuerst tun: die Unruhe von sich schütteln, die Unruhe erst gar nicht aufnehmen, sondern nur eines: die Ruhe aufnehmen, sich zur Ruhe bewegen, sie in sich selbst aufnehmen, und dann wird er nicht nur ein gutes, ein wohlwollendes Gefühl erhalten, sondern dann wird er die guten Gedanken, die Gedanken aus der guten, aus der göttlichen Gedankenquelle aufnehmen. Denn er müsste es letzten Endes doch auch wissen – denn er hat das Böse kennengelernt, er hat es gekostet, er hat es wahrgenommen am eigenen Körper, (…) in seiner eigenen Umgebung, er hat es an vielen wahrgenommen -, er kann heute schon sehr gut unterscheiden, was gut und was böse ist. Und gerade darauf kommt es an! So er sich dann ein Versprechen gibt – das Versprechen, das der Mensch sich selbst gibt -, hat er es nicht sich, sondern schon Gott gegeben. Das muss er wissen, das muss auch jedem Menschen so gesagt werden. (…) Und so er sich selbst ein Versprechen gibt, wie ich schon sagte, hat er Gott ein Versprechen gegeben, zu diesem Versprechen muss er zeit seines Lebens stehen. Aber nur bei dem geringsten Zweifel fällt er wieder ab, und er muss immer wieder von vorne beginnen. Er kann noch so viel Gutes erfahren, er kann noch so viel Gutes schon im Leben getan haben, er schenkt dem Bösen einmal Gehör, er lässt sich verlocken, er lässt sich verleiten; er weiß von so vielem nicht, ob es falsch oder richtig ist, und er zweifelt das vorherige Gute an (…) und sagt: „Es könnte doch so sein.“ Also damit hat er das Gute angezweifelt, und damit verfällt er schon dem Bösen, damit hat das Gute bei ihm aufgehört, und von da ab drängt in ihn das Böse hinein, und daher ist er von hier ab dem Einfluss des Bösen ausgesetzt. Und dadurch verliert er den wirklich guten, den göttlichen Schutz. Dann wundert er sich hernach und sagt: „Ja, wie ist denn das möglich! Also stimmt es doch, was mir einst mal einer vor drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn oder wie vielen Jahren gesagt hat!“ Das ist so, ja, das hat der Mensch sich dann selbst zuzuschreiben, weil er sich wieder dem Bösen hingegeben, dann stimmt es auch. Denn es stimmt, dass das Böse existiert, das müsste ja jeder von sich selbst auch schon wissen. Nun, wer das jetzt so weiß und wer sich von diesem so weit überzeugt hat, der weiß dann letzten Endes auch, zu wem er gehört. Gutes zu empfangen, heißt, wie er es empfindet, wie er das Gute beherzigt und wie er zum Guten, wie er zu Gott steht. (26.12.1958)

(4) Der Böswillige sucht das Gute. (…) Das Böse wird vom Guten angezogen. Dagegen das Gute vom Bösen. Das heißt: Ein Böswilliger sucht das Gute, um es als Erstes zu vernichten. Hier gewinnt der Stärkere! Umgekehrt sucht der Gutwillige das Böse zu beseitigen. Der Böswillige braucht das Gute, er verfällt sogar einer Sucht: Als erstes wird er das Gute zu vernichten suchen, ist aber das Gute in einem stärkeren Maße vorhanden, ist das Böswillige bezwungen. (handschriftlich)

(5) Wenn jemand geschwächt oder gar infolge von Alkohol – genuss in seinen Entschlüssen beeinträchtigt ist, so wird es ihm unmöglich, sich gegen das Ungute zu wehren. (Alfred Hosp, „Kräfte des Geistes“, Eigenverlag, S. 126)

(6) Das Böse lässt nichts fehlen und setzt alles daran, um immer wieder Menschen daran zu hindern, dass sie ja nicht den guten Weg einschlagen, und erst recht, dass sie diese Hinderungen wahrnehmen und dass sie zu guter Letzt doch den Mut und die Kraft verlieren, dass sie dann den Gedanken gar nicht mehr dazu aufnehmen, diesen Weg noch weiter zu gehen. Ich könnte sagen, sie sind feige, mutlos, ratlos, tatlos, sie sind kraftlos ge – worden. Nicht wahr? Denn das Böse bringt sie um die gute Kraft. Wehe dem, der unter dem Einfluss des Bösen steht! Wohl dem, der sich aber dem Guten hingibt, wie er das Gute schon als gut empfindet und wie er glaubt, dass er auch dem Guten dient, dienen darf. Das ist mehr als Glück, das ist ein Segen Gottes. Denn der Mensch hat sich dann schon verdient, dass er dem Guten, dass er Gott dienen darf. (26.12.1958)