Verkrampfung des ganzen Körpers

Quelle: „Die Wunderheilungen des Bruno Gröning“, Egon-Arthur Schmidt, Falken-Verlag, Berlin 1949, S. 65 – 68

Wieder einmal harrten mehrere hundert Heilungssuchende vor dem Haus. Wie immer in dieser Zeit, so waren auch an dem Tage, an dem der nachfolgend geschilderte Vorgang geschah, eine Anzahl Wagen vorgefahren. Sei es aus Neugierde oder Anteilnahme, scharten sich im Allgemeinen um die einzelnen Wagen die Menschen. Wieder hatte ich die nicht gerade er-freuliche Aufgabe, den Ansturm an der Tür mit beschwichtigenden Worten und gutem Zu-reden abzuwehren. Unter denen, die unmittelbar an der Haustür geradezu flehentlich um Einlass und Verbindung zu Gröning baten, stand ein  älterer  Herr, der  mir  durch  seinen  besonders leidvollen Gesichtsausdruck auffiel. Er mochte wohl schon fünf oder sechs Stunden vergeblich um Einlass gebeten haben, und  als ich nachmittags wieder einmal die Tür schließen musste, sah ich ihn im Zustand höchster Erregung und Bestürzung allein vor mir stehen. Er bat: „Helfen Sie doch meiner Tochter, sie liegt in schweren Krämpfen im Wagen, und ich habe Angst, dass sie nicht mehr durchhält. Sie möchte nur noch einmal Herrn Gröning sehen.“ Ich wollte ihn unter Hinweis auf das bestehende Verbot wieder beruhigend abweisen, da traten aus der Menge an der Tür einige hervor und sagten: „Herr Schmidt, wir alle bitten Sie für diesen Vater und für die schwerkranke Tochter um Hilfe bei Herrn Gröning. Wir versprechen Ihnen, dass wir jetzt mit unseren eigenen Wünschen zurückstehen wollen, nur, dass dieser jungen Frau im Wagen geholfen wird.“ Es gab mir eine Stoß: Dieser Blitzblick in wahrhaft menschliche Gesinnung und Empfindung. Unter Zurückstellung alles eigenen Leides waren diese Menschen, die unter größten Opfern von weither gekommen waren, ohne weiteres in selbst-verständlicher, brüderlicher Geschlossenheit bereit, auf die Erfüllung eigener Wünsche zu verzichten, um diesem sichtbarstem und schwerem Leid eine Möglichkeit der Linderung oder Heilung zu geben. Diesem geradezu feierlichen Gemeinschaftswillen konnte ich mich nicht versagen. Ich war fest entschlossen, Bruno Gröning zu holen, es war wirklich höchste Zeit. Ohne viel Worte zu machen, stellte ich mich neben Gröning, und er blickte mich ungefragt, aber schon verständnisvoll, an. „Ein ganz dringender Fall“, sagte ich ihm, „nur eine Minute draußen am Wagen. Niemand von den vielen Wartenden wird Sie behelligen und keiner mit zusätzlichen Wünschen kommen.“ Gröning ging sofort auf meine Bitte ein, wir gingen hinaus. Vollkommene Stille unter der großen Menschenmenge, betont noch durch die entfernten Verkehrsgeräusche der Stadt, tiefes, erwartungsvolles Schweigen. Eine Gasse bahnt sich zu dem Wagen, um den sich die Menge in großem Halbkreis schart. Gröning, der Vater der Kranken und ich gehen auf den Wagen zu. Die Tür steht offen, schräg liegt die 28-jährige Kriegerwitwe auf dem Rücksitz, die Schuhe ausgezogen, schmerzverzerrt das Gesicht, die Hände verkrampft, unruhige Zuckungen des ganzen Körpers.  Gröning tritt heran, beugt sich in den Wagen hinein und sagt nichts. Schlagartig beruhigt sich die Kranke, das Gesicht entspannt sich, sie setzt sich aufrecht hin und beginnt ihre Schuhe überzustreifen. Gröning ergreift ihre Hand und fragt: „Haben Sie noch Schmerzen?“ Die Antwort: „Nein.“ Sie richtet sich auf, Gröning tritt zurück. Sie steigt ohne Hilfe aus dem Wagen und setzt sich zunächst auf das Trittbrett mit einem teils verwunderten, teil verklärten, teils glücklichen Ausdruck. Nach einer Pause steht sie selbständig auf, Gröning wechselt noch einige Worte mit ihr: „Es wird Ihnen gut gehen. Sie werden wieder gesund und wohlbehalten nach Hause kommen.“ Der daneben sehende Vater ist vollkommen überwältigt und bedankt sich überschwänglich bei Gröning. Der antwortet: „Danken Sie nicht mir, sondern dem Herrgott:“ Er wendet sich ab und geht ins Haus zurück. Durch die bisher schweigsam harrende Menge, in der viele mit gefalteten Händen stehen, geht es wie Wellen der Erregung. Geflüster erhebt sich zu Murmeln, und nachdem Gröning verschwunden ist, drängen die Menschen auf das Auto ein, Beglückwünschungen, Tränen der Freude und Rührung in vielen Gesichtern. Selbstloses Mitgefühl am Glück des Vaters, und vielleicht und wahrscheinlich im Grund des eigenen Herzens die gewaltig gesteigerte Hoffnung auf Hilfe für die eigenen Leiden. Nicht ein einziges Mal wurde Gröning auf dem Rückweg zum Haus von den sonst so brennenden Wünschen der Kranke behelligt. sie hielten ihr Versprechen. Eine verschworene Gemeinschaft des Leidens und des Mitleidens. Über den Fall selbst noch abschließend Folgendes: Vom Vater erfuhr ich, dass die 28-jährige Tochter aus W. bereits seit 16 Wochen von den Ärzten aufgegeben worden war. Durch 16 Radiumbestrahlungen hatte sich noch zusätzliche Gewebeverbrennungen erlitten, wegen Überempfindlichkeit war eine ärztliche Untersuchung schon nicht mehr möglich. Von ihrem Krankenbett zum Auto musste sich getragen werden, völlig bewegungsunfähig. Der Hausarzt hatte auf die Mitteilung des Vaters, dass er nach Herford fahren wolle, geantwortet: „Sie werden mit Ihrer Tochter kaum aus der Stadt hinauskommen – sie wird Ihnen unter den Händen eingehen.“ Der  Vater hatte der flehentlichen Bitte der Tochter „ich will nur noch einmal Gröning sehen“ nicht widerstehen können und hatte sich, in bescheidener Stellung befindlich, durch die großen Ausgaben für die bisherige Behandlung  wirtschaftlich geschwächt, noch einmal DM 100,– für diese Fahrt geliehen. Er erschien anschließend trotz des Verbots noch wiederholt bei mir, um sich immer wieder zu bedanken und zu berichten, dass eine nach wie vor anhaltende Besserung im Befinden der Schwerkranken eingetreten sei. Sie legte die Rückfahrt im Wagen fast ausschließlich sitzend zurück. Vier Tage nach der Rückkehr konnte sie in der Wohnung laut Bericht des Vaters bereits auf den Stock gestützt gehen. Nach einer weiteren Zeitspanne legte sie sich ihre Lieblingsplatte „Mariandl“ auf und machte leichte Tanzbewegungen nach der Musik. Ich habe von einer nachteiligen Entwicklung dieses Falles bis zu diesem Augenblick nichts gehört.

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