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 Bruno Grönings Leben (Biografie)

 

Die frühen Jahre in Danzig
Bruno Gröning wurde als viertes Kind  von sieben Geschwistern des Ehepaares August und Margarethe Gröning am 30. Mai 1906 in Danzig-Olivia geboren.

 
     
 

   
     
 

Während seiner Kindheit und Jugendzeit machte er bereits die Feststellung, dass er über besondere Fähigkeiten verfügte. Bereits als Kleinkind wurden in seinem Beisein kranke Menschen von ihren Beschwerden frei, was dazu führte, dass er sehr frühzeitig immer wieder mit Kranken in Berührung kam.

 
     
 

 
     
 

Er besuchte die Volksschule. Aufgrund des Wunsches seines Vaters erlernte er den Zimmererberuf. Zu einem Abschluss durch eine Prüfung kam es jedoch nicht, da zur damaligen Zeit in Danzig große Arbeitslosigkeit herrschte. Ein Vierteljahr vor Beendigung der Lehrzeit musste er ohne Abschlussprüfung seine Lehrstelle aufgeben, denn die Firma, bei der er lernte, konnte wegen Mangel an Aufträgen nicht weitergeführt werden. Obwohl es das Schicksal vieler junger Menschen war, deuteten dies Grönings Kritiker später bei ihm als ein Zeichen von Labilität und Unvermögen. 1925 gelang es dem 19jährigen eine Bau- und Möbeltischlerei zu errichten und sich selbstständig zu machen. Er konnte den Betrieb jedoch nur zwei Jahre aufrechterhalten. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation in Danzig war er gezwungen, ihn wieder aufzugeben. Danach bemühte er sich, wie viele andere auch, in der schwierigen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, so gut es ging, sein Geld zu verdienen. Hierbei war er sich für keine Arbeit zu schade. Obwohl es häufig nur relativ kurze Arbeitsverhältnisse waren, sah er sogar einen Vorteil darin. In einem seiner Lebensläufe schrieb er später rückblickend dazu: “Alle diese Arbeiten habe ich mit Interesse verrichtet und besonders lag mir daran, ein Praktikum durchzumachen, wobei ich das Wissen und Können der Menschen in allen Lebenslagen und allen Volksschichten studieren konnte und erfuhr, wie die Menschen ihr Leben gestalteten. Ich suchte nicht nur die Ärmsten der Armen, sondern auch die Reichsten der Reichen auf, um kennen zu lernen, wie sie lebten.”

Schon in den frühen Danziger Jahren, war das Leben Bruno Grönings davon geprägt seinen Nächsten zu helfen. Max Bruhn, ein früherer Freund Grönings, hielt einige seiner Erlebnisse mit ihm schriftlich fest: “Bruno Gröning hat schon damals nie an sich gedacht, sondern sein oberstes Gebot galt seinen Mitmenschen, ihnen zu helfen und neue Kraft zu geben. Es war ihm gleich, ob jemand ein Anliegen auf Gesundung hatte oder andere Hilfe brauchte (...). Oft wurde er schon damals zu Kranken gebeten (...). Aber nie hat er, ganz gleich was es war, auch nur einen Pfennig dafür genommen. Im Gegenteil, er hat sogar noch sein letztes Geld, was er besaß, diesen Menschen gegeben (...). Einiges möchte ich aber besonders noch hervorheben. Und zwar handelt es sich um das Weltgeschehen, wie es sich in den vergangenen Jahren abgespielt hat, dazu auch die Teilung Deutschlands. Selbst der Beginn und der gesamte Verlauf des Krieges ist haargenau eingetroffen, wie es Bruno Gröning uns vorher gesagt hat.”

Nicht nur seine Fähigkeit Kranken zu ihrem Heil zu verhelfen, sondern auch die Möglichkeit der inneren Vorausschau und des Hellsehens prägte das Leben dieses ungewöhnlichen Mannes. „Ich sehe nicht nur den Menschen; ich sehe auch, was weiter zurückliegt, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, alles, was um und an ihm ist.“ (19.09.1950) Viele Zeitzeugen bestätigten diese ungewöhnliche Gabe Grönings. Er machte jedoch kein Aufsehen darum.

Kriegszeit
Als der zweite Weltkrieg ausbrach, war Bruno Gröning mittlerweile 33 Jahre alt. “1943, im Alter von 37 Jahren, wurde ich zur Wehrmacht einberufen. Wegen meiner Auffassung kam es zu Reibungen. So wurde mir z. B. das Kriegsgericht in Aussicht gestellt, denn ich hatte die Äußerung getan: ´Ob ihr mich an die Front stellt oder nicht, ich erschieße doch keinen Menschen.`” (aus einem seiner Lebensläufe) Der Krieg war für Gröning ein eindeutiges Zeichen dafür, wie weit sich die Menschheit von Gott entfernt hatte. Jede kriegerische Auseinandersetzung bezeichnete er als satanisches Werk.  

Am 5. März 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft. Aufgrund der Tatsache, dass er gegenüber der Lagerleitung „kein Blatt vor dem Mund nahm“ und sich für bessere Lebensbedingungen seiner Mitgefangenen einsetzte, galt er als aufsässig. Nur einige wenige russische Offiziere, wie Gröning später berichtete, hielten jedoch zu ihm und bewahrten ihn davor, erschossen zu werden. Auch im Gefangenenlager soll er, wie Zeitzeugen bestätigten, vielen Mitgefangenen zu ihrem Heil verholfen haben. „Einer seiner Kameraden erzählte (...), dass er dort ein selbstloser Helfer seiner Leidensgenossen gewesen sei und dass er es auf rätselhafte Weise zuwege gebracht habe, viele Mitgefangene, die an Wassersucht litten, zu heilen. Noch lebendiger freilich war dem Heimkehrer die Erinnerung an den Rücktransport in engen, überfüllten Viehwaggons. Damals seien alle Bande der Menschlichkeit zerbrochen, Kameradschaft dem brutalen Kampf ums nackte Leben gewichen. Nur einer sei inmitten dieses Zusammenbruchs und Jammers immer ruhig, gelassen und menschlich geblieben – Bruno Gröning.“ (Quelle: Dr. Kurt Trampler, „Die große Umkehr, Heering Verlag, S. 87) 

Im Dezember 1945 wurde Bruno Gröning aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Er kam nach Dillenburg und holte seine damalige Frau zu sich. Laut Bruno Gröning und einiger Zeitzeugen wollte sie jedoch nichts von seinen immer offensichtlicher werdenden Heilfähigkeiten wissen und stellte ihn vor die Wahl, entweder nur für sie da zu sein oder für die Hilfesuchenden. Dadurch kam es zur Trennung.

In Westdeutschland rief er zusammen mit Flüchtlingen das „Hilfswerk der Vertriebenen“ ins Leben. Auch gehörte er einer Wohnungskommission an, denn er fühlte sich wieder verpflichtet, den Menschen, in welcher Form auch immer, zu helfen.

Im Blickfeld der Öffentlichkeit
Erst im März 1949 geriet er zum ersten Mal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Zeitungsmeldungen überschlugen sich. In einer Kleinstadt in Westfalen, wurde Gröning die Heilung eines todkranken Jungen nachgesagt. Tausende strömten daraufhin zum Wilhelmsplatz nach Herford. Immer mehr Menschen berichteten von außergewöhnlichen Heilungen, die man mit Bruno Gröning in Verbindung brachte.

 
     
 

 
     
 

 
     
 

Selbst von Ärzten als unheilbar Diagnostizierte, wurden gesund. Offensichtlich sprach Bruno Gröning jedoch nur zu den Kranken. Man stand vor einem Rätsel. Ein Reporter der ´Süddeutschen Sonntagspost` fasste aufgebracht zusammen: “Mir bleibt der Verstand stehen. Bruno Gröning heilt Lahme, Blinde, Stumme (...). Eines der größten Phänomene unseres  Jahrhunderts - das ist die übereinstimmende Meinung vieler Sachverständiger zu dem ´Fall Gröning`.“

 
     
 

 
     
 

 
     
 

Der Ansturm auf Bruno Gröning wurde immer größer. Doch frühzeitig formierten sich bereits die ersten Gegenkräfte. Vor allem die Ärzteschaft erwies sich dem Phänomen Gröning gegenüber mehr als skeptisch. Aufgrund des Druckes der Ärzteschaft sprach der Oberbürgermeister von Herford Bruno Gröning am 3. Mai 1949 ein vorläufiges Heilverbot aus, das am 7. Juni 1949 zu einem totalen Heilverbot für ganz Nordrhein-Westfalen führte. Bruno Gröning zog die Konsequenzen und verließ Herford.

 
     
  Wissenschaftliche Untersuchungen  
 

Die Zeitschrift „Revue“ entschloss sich damals zur wissenschaftlichen Klärung des Phänomen Gröning beizutragen. In der Heidelberger Ludolf Krehl-Klinik, unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Weizsäckers, wollte man die “Heilmethode” des so genannten “Wunderdoktors” erforschen. Bruno Gröning stimmte dem Vorhaben zu, da man ihm bei positivem Verlauf ein Gutachten in Aussicht stellte. Er hatte die Hoffnung, auf diese Weise den Weg zu freiem Wirken eröffnet zu bekommen. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich die Ärzte beeindruckt. In der “Revue” wurden die Geschehnisse der Heidelberger Untersuchungen regelmäßig veröffentlicht. “Bruno Gröning ist kein Scharlatan, kein Hypnotiseur, kein Wunderdoktor, sondern ein begabter, nichtärztlicher Psychotherapeut (Seelenarzt). Er bemüht sich, aus kindlich-naturhaftem und auch religiös begründetem Mitgefühl heraus, den Menschen in ihren seelisch bedingten Leiden zu helfen (...). Er maßt sich nicht an, ein Prophet oder Messias zu sein. Er hat aber ein gläubiges Sendungsbewusstsein. (...) Die Vermutung von Prof. Fischer, dass es sich bei Grönings Methode um eine wissenschaftliche interessante, in ihrer Art neue und erfolgsversprechende psychotherapeutische Arbeitsweise handelt, hat sich durch die Heidelberger Versuche unbedingt bestätigt. Daraus ergibt sich, dass man Gröning mit dem Verbot seiner Tätigkeit nicht abtun kann. Es ergibt sich, dass man im Interesse der Wissenschaft und der Kranken Grönings Methode exakt erforschen und anderen Psychotherapeuten zugänglich machen sollte. Man muss Gröning selbst eine Möglichkeit zur Weiterarbeit in diesem Sinne geben.“ (Revue, vom 28.08.1949)

Prof. Dr. Fischer glaubte das Wirken Grönings von der psychotherapeutischen Seite erklären zu können. Die Methode, die er dahinter vermutete, war der verzweifelte Versuch das Miterlebte einordnen zu wollen und irgendwie zu verstehen. Bruno Gröning betonte jedoch immer wieder, dass seine Art den Menschen zu helfen nicht erlernbar sei. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer Gabe Gottes. „Grönings Heilungen setzen zum überwiegenden Teil erst jenseits der Grenzen der medizinischen Kunst ein, aus deren Lehren er, wie er oftmals betont, nichts angenommen hat. Alle Theorien und Deutungsversuche, die es erwägen, Gröning in einen der herkömmlichen Heilberufe einzuordnen, die es versuchen, seine ´Methode` mit einer der bekannten Methoden der Medizin zu vergleichen oder sie als ´Neuheit` an irgendeiner Stelle in das Lehrgebäude der medizinischen Wissenschaft einzubauen, müssen folglich falsch sein. Es kann nicht klar genug gesagt werden: Ein Patient, der bei Gröning Hilfe sucht, sucht sie überhaupt außerhalb der Medizin. Er geht bewusst einen anderen Weg als den zum Arzt oder zum Heilpraktiker, (...).“ (Quelle: Dr. Kurt Trampler, „Die große Umkehr, Heering Verlag, S. 64)

Das Interesse seitens Prof. Dr. Fischers führte dazu, dass er Bruno Gröning ein Angebot der Zusammenarbeit machte, auf das er jedoch nicht einging. Aus seiner Sicht war es mit unzumutbaren Bedingungen verknüpft. Enttäuscht schrieb er später zu dieser Angelegenheit: “Es sollten mir Heilstätten zur Verfügung gestellt werden, in denen auch Ärzte tätig sein sollten. Dies deshalb, um alle Fälle genauestens kontrollieren zu können, um weitere Bestätigungen nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch der Medizin gegenüber zu erhalten. Herr Professor Fischer verlangte von mir aber ein Gehalt von monatlich über 3000 DM, dazu hohe Tagesspesen und außerdem sollte ich mich verpflichten, an Herrn Professor Fischer 30% aller Betten abzutreten, und zwar deshalb, weil - wie er mir später erklärte -, er die 30% aller Geheilten als von ihm geheilt, d. h. um diese 30% aller Geheilten auf seinen Namen und auf die Wirkung der Psychotherapie verbuchen zu können (...). Ich habe mich mit diesem Vorschlag von Herrn Professor Fischer nicht einverstanden erklären können und ihn abgelehnt deshalb, weil ich erstens über keinen Pfennig Geld verfügte, so dass ich ihm gegenüber meinen finanziellen Verpflichtungen nicht hätte nachkommen können, zweitens nie daran gedacht habe, aus dem ganzen Vorhaben ein Geschäft zu machen.” Die ablehnende Haltung Grönings bezüglich dieses Angebotes wurde ihm sehr negativ ausgelegt. Ein versprochenes Gutachten erhielt er niemals.

 
     
 

„Das bayerische Lourdes“
Nach den turbulenten Tagen in Herford und den wissenschaftlichen Untersuchungen in Heidelberg wurde Bruno Gröning im August 1949 von einem Herrn Hawart auf sein Gestüt, den Traberhof bei Rosenheim, eingeladen. Bruno Gröning kam dies sehr gelegen, denn er hoffte, dem Trubel um seine Person dadurch aus dem Weg gehen zu können. Zunächst gelang es auch, seinen Aufenthalt geheim zu halten. Nachdem jedoch die ersten Zeitungen über seine Ankunft in Bayern berichteten, sprach es sich, ähnlich wie in Herford, wie ein Lauffeuer herum. Ein riesiger Presserummel begann. Man berichtete in sensationeller Aufmachung, bezeichnete den Traberhof sogar als das ´bayerische Lourdes`.

„Ich habe in diesen Tagen und Wochen niemanden gefunden, der nicht zutiefst betroffen und erschüttert gewesen wäre von diesem Übermaß an Leid und Elend, das sich keiner jemals so furchtbar hätte vorstellen können. Wer dann noch Einblick nehmen konnte in jene unermessliche Zahl von Bittbriefen, in denen alle jene ihr Leid klagten , die aus gesundheitlichen oder aber aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht die Möglichkeit hatten, die Fahrt zu Gröning anzutreten, dem war es klar, dass die Menschen, die da Kopf an Kopf viele Tage lang ihrer letzten Hoffnung entgegenharrten, nur die Repräsentanten einer endlosen Masse von Kranken, Versehrten und Verzweifelten waren, die überall ist, wo Krieg und Staatsraison, Hass und Misstrauen die Schicksale der Völker bewegt. (...) Die meisten von ihnen waren als Heimkehrer und Versehrte, als Ausgebombte und Flüchtlinge müde von Amtsstube zu Amtsstube gegangen, ehe sie eine kümmerliche Hilfe erfuhren, ehe sie in überfüllten Baracken oder Wohnungen ein Dach über dem Kopf erhielten. Sie waren Nummern gewesen vor unzähligen Ämtern, sie hatten oft genug mürrische und abgestumpfte Gesichter dort gefunden, und nicht die Wärme menschlicher Hilfsbereitschaft. (...) Diese Menschen, die da auf Gröning warteten, gehörten nicht mehr zu den Leichtgläubigen und Begeisterungsfähigen. Sie waren abgestumpft, skeptisch, apathisch, aber sehr hellhörig für alles Unrechte, für jede Phrase, allein noch zu überzeugen durch die hilfreiche Tat.“ (Quelle: Dr. Kurt Trampler, „Die große Umkehr, Heering Verlag, S. 90 bis 91)

Die Nachrichten von unzähligen Heilungen zogen nicht nur Kranke, sondern auch Neugierige und Schaulustige an. So war es nicht verwunderlich, dass es innerhalb kürzester Zeit zu unvorstellbaren Massenansammlungen kam. Bis zu 30000 Menschen wurden an manchen Tagen auf dem Gelände des Gestüts gezählt.

 
     
 

 
     
 

 
     
 

Das, was Bruno Gröning selbst nie angestrebt hatte, sondern die sensationelle Berichterstattung der Medien auslöste, erreichte ihren Höhepunkt. Selbst die Wochenschau berichtete und man drehte sogar einen großer Kino-Dokumentarfilm über Bruno Gröning und die außergewöhnlichen Ereignisse am Traberhof. Für Regie und Produktion war Rolf Engler verantwortlich.

In einigen Zeitungen wurde damals eine positive Einstellung des Bayrischen Ministeriums zum Fall Gröning veröffentlicht. Ministerpräsident Erhard erklärte darin: „Gröning darf nicht an Paragraphen scheitern!“ Es hieß dort weiter: „Der bayrische Ministerpräsident Dr. Erhard erklärte am Montag in einer Presse-konferenz, man werde Bruno Gröning in Bayern keine Schwierigkeiten bereiten. Nach seiner persönlichen Auffassung dürfte man ´eine solche exzeptionelle Erscheinung` (Ausnahmeerscheinung – Red.) wie Gröning nicht an Paragraphen scheitern lassen.“ (Limburger Neue Presse, 07.09.1949) Man stufte Bruno Grönings Heiltätigkeit als freie Liebestätigkeit ein und es schien, als würde er endlich ohne Schwierigkeiten seinen Weg gehen zu können.

 
     
 

 
     
 

Das Blatt sollte sich jedoch auch am Traberhof schon bald gegen ihn wenden. Der anfänglichen sensationellen Berichterstattung der Zeitungen folgte eine regelrechte Rufmordkampagne. Ein Journalist namens Graf Soltikow tauchte z.B. auf, der eine ausführliche Berichterstattung über Gröning anstrebte. Er stellte Gröning vor die Wahl, positiv oder negativ über ihn zu berichten. Material hätte er für jeden Fall reichlich gesammelt. Laut Bruno Gröning verlangte er 50.000 DM von ihm, wenn er von der negativen Berichterstattung Abstand nehmen sollte. Gröning weigerte sich. Soltikow machte seine Drohung wahr und es kam zu den ersten großen Diffamierungen in der Presse.

Auch die Ärzteschaft regte sich wieder. Der Präsident der bayrischen Landesärztekammer, Senator Dr. Weiler, ließ ein Flugblatt gegen Bruno Gröning mit der Überschrift “Grönings Größenwahn“ veröffentlichen.

 
     
 

 
     
 

 
     
 

Auch der mittlerweile fertig gestellte Kino - Dokumentarfilm über Gröning wurde von der Ärzteschaft aufs Schärfste angegriffen. Er löste einen regelrechten Proteststurm aus. Verschiedene Persönlichkeiten des öffentlichen Gesundheitswesens, darunter wieder Dr. Weiler, zeigten sich dafür verantwortlich. “Als Begründung des Einspruchs wurde u.a. angeführt, dass (...) von einem jeden Gröning-Film schwere gesundheitliche Schädigungen und Störungen der öffentlichen Ordnung zu befürchten seien.”  Aufgrund des Druckes der Ärzteschaft verschwand der Film innerhalb kürzester Zeit von der Bildfläche. Er steht noch heute auf dem Index!

Die Heilungen unzähliger Menschen am Traberhof in Rosenheim wurden von vielen Ärzten entweder abgestritten oder als Folge einer Massenpsychose angesehen. Man bemühte sich verzweifelt, die ganzen Sache als nichts Besonderes herunterzuspielen. „Professoren sagten mir (...): ´Das können wir auch, Menschen gesund machen.` Ich habe nur die Frage gestellt, wo denn gesunde Menschen sind und warum man (...) die Kranken nicht gesund macht ? (...) Aber einzelne Menschen gibt es, auch unter den Ärzten, die glauben sich behaupten zu können. Sie glauben, dass der kleine Gröning ihnen das Butterbrot wegnehmen wolle.“ (09.09.1949)

Dr. P. Lambrecht stellte bereits zu ähnlichen Vorgängen in Herford fest: “Es ist nicht verwunderlich, dass die Ärzteschaft gegen ein Phänomen Sturm läuft (...). Das war zu allen Zeiten so (...). Wäre Christus heute da, so würde man ihm sein Handeln ebenso verbieten wie vor 2000 Jahren. Man würde von ihm verlangen, seine Befähigung als Heilpraktiker unter Beweis zu stellen! Die Ärzte sind alle dieselben geblieben und haben nichts gelernt (...). Es ist nur wieder der Konkurrenzneid (...).”

Es gab jedoch in Rosenheim auch eine größere Anzahl von Ärzten, die sich dem Phänomen Gröning positiv gegenüber zeigten. Einige schickten sogar ihre Patienten, denen sie selbst nicht mehr helfen konnten, zum Traberhof. Dr. Zetti, ein praktischer Arzt aus München, hatte z.B. Kontakt mit Gröning aufgenommen. Er schrieb daraufhin in einem Zeitungsartikel: “Das Phänomen Gröning hat mich als Arzt derartig interessiert, dass ich seit vielen Wochen viele Tage, aber auch viele Nächte an der Seite Grönings verbracht habe. (...) Er vermag Kranke mit schwersten Leiden, darunter sogar Blinde - ich habe es selbst miterlebt -, durch persönlichen Kontakt und stärkster Konzentration in kurzer Zeit zu heilen oder doch zumindest ihnen Linderung zu verschaffen.”

Zwielichtige Helfer
Aufgrund der scharfen Angriffe der meisten Ärzte veränderte sich auch die positive Haltung des bayerischen Ministeriums. Die Situation spitzte sich für Bruno Gröning, ähnlich wie in Herford, immer mehr zu. In dieser Zeit tauchte ein Herr namens Otto Meckelburg auf, der ihm Hilfe anbot und für ihn Vorträge in geordneten Bahnen organisieren wollte. Bruno Gröning nahm das Angebot an und verließ den Traberhof in Rosenheim. Der Weg führte dieses ungleiche Paar zuerst einige Wochen auf die Insel Wangerooge, später wieder nach Bayern in Mittenwald. Otto Meckelburg fungierte dabei wie ein Manager. Für Gröning erwies sich die Verbindung jedoch bereits nach kurzer Zeit als sehr nachteilig. Zwielichtige Geschäfte von Otto Meckelburg schadeten dem Ruf Bruno Grönings nachhaltig. Er verlangte von Heilungssuchenden hohe Eintrittsgelder, die er ausschließlich in seine eigene Tasche wirtschaftete. Außerdem gab er Heilversprechen, was Bruno Gröning strikt ablehnte. Mehrere Zeitzeugen bestätigten diese Vorgehensweisen. Verständlicherweise löste sich Gröning so schnell er konnte wieder von ihm.

In dieser Zeit erhielt Bruno Gröning ein Angebot eines Heilpraktikers namens Eugen Enderlin. Er stellte ihm seine Praxis in München zur Verfügung, damit Gröning hier unter medizinischer Aufsicht Glaubensvorträge abhalten konnte. Bereits zur Traberhofzeit hatte Enderlin Patienten zu Gröning geschickt. Er schrieb in einem Zeitungsartikel über seine Beobachtungen: “Ich habe im vergangenen Jahr einigen meiner Patienten, denen durch die bis dahin bekannten Heilmethoden nach menschlichem Ermessen keine Hilfe mehr zuteil werden konnte, selbst den Rat gegeben, eine Begegnung mit Bruno Gröning zu suchen. Die Patienten begaben sich zum Traberhof und sind in meiner Behandlung verblieben. So konnte ich durch Nachuntersuchungen in meiner Praxis feststellen, dass die Einwirkung Bruno Grönings ihnen Heilung bzw. Besserung ihres Gesundheitszustandes gebracht hatte.” Bruno Gröning wurde jedoch auch von Dr. Enderlin enttäuscht. Auch er entpuppte sich nach kurzer Zeit als Geschäftemacher. Dies war nicht das letzte Mal, dass Bruno Gröning miterleben musste, dass Menschen aus seiner Naturbegabung in erster Linie Geld machen wollten. Er zeigte sich enttäuscht von der Profitgier vieler Menschen, da er selbst keine finanziellen Interessen verfolgte. Er selbst verlangte niemals Geld von den Hilfesuchenden, sondern nahm in seltenen Fällen Geldspenden entgegen, um zumindest seine Unkosten decken zu können.

Doch nicht nur die Geschäftemacher, sondern auch die Zeitungsreporter machten ihm zu schaffen. Viele waren nur auf eine sensationelle Berichterstattung aus. Eine eidesstattliche Erklärung von Karl Gröning, einem Bruder Bruno Grönings, aus dem Jahre 1952 verdeutlicht, dass manche Journalisten vor nichts zurückschreckten. Dort heißt es: “Da ich mich schon seit längerer Zeit in einer wirtschaftlichen Notlage befand, wurde ich durch einen Journalisten, einen gewissen Karl Hohmann (...) angehalten, meine schriftlichen Darlegungen gegen meinen Bruder zu veröffentlichen. Es wurde mir gesagt, daß ich mit einer Veröffentlichung im negativen Sinne, unter der Schlagzeile “Bruder gegen Bruder” viel Geld verdienen könnte. Herr Hohmann stellte mir dabei in Aussicht, dass für mich in diesem Zusammenhang gut 50.000 DM zu verdienen seien. Er riet mir vor keiner Unwahrheit zurückzuschrecken, um der Presse möglichst sensationellen Stoff zu liefern (...). Ich bedaure es heute außerordentlich, dass dies geschehen konnte, wie ich es auch bedaure, dass durch meine früheren herabsetzenden unwahren Behauptungen meinem Bruder Bruno schwerer Schaden in Bezug auf seinen Ruf erwachsen ist. Ich nehme hiermit alle unwahren Anschuldigungen gegen meinen Bruder Bruno zurück.”

Die Justiz schaltete sich ein
Bruno Gröning geriet auch mit dem Gesetz in Konflikt. Er wurde angeklagt, fortgesetzt ohne Erlaubnis die Heilkunde ausgeübt und damit gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen zu haben. Bruno Gröning wendete sich an den Rechtsanwalt Dr. Reuss, der ihn im Prozess verteidigen sollte. In dieser Zeit wurde gleichzeitig ein Obergutachten erstellt. Man hielt es dabei für unnötig, Gröning persönlich kennenzulernen und zu befragen, und stützte sich ausschließlich auf Presseartikel und auf das verleumderische Dokument Karl Grönings. Man kam zu folgendem Urteil: “Man könnte Gröning als eine triebhafte, in großen Bereichen infantile Persönlichkeit von unterdurchschnittlicher Begabung bezeichnen (...).  Er scheint in erheblicher Weise krankhaft im Sinne einer neurotischen Störung der Persönlichkeitsentwicklung (...). Es handelt sich jedenfalls im Zeitpunkt der in Frage stehenden Vorgänge bei Gröning um eine seelisch abartige Persönlichkeit.”

 
     
 

Gröning musste sich in München zum ersten Mal wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde vor Gericht verantworten. Er wurde sowohl in erster als auch am 19. März 1952 in zweiter Instanz freigesprochen. In der Berufungsverhandlung wurde dieser Freispruch zwar bestätigt, aber nur mit der Begründung des schuldausschließenden Irrtums, d. h. ihm wurde zugute gehalten, dass er nicht wusste, dass er womöglich gegen den Heilpraktikerparagraphen verstoßen habe. Grundsätzlich beurteilte man seine Heiltätigkeit jedoch im Sinne des Heilpraktikerparagraphen. Dieser Freispruch kam somit einem richterlichen Heilverbot gleich. Dadurch waren ihm endgültig die Hände gebunden. Durch diese Umstände ge-zwungen, entschloss sich Bruno Gröning, entgegen seiner früheren Absicht Heilpraktiker zu werden, um endlich frei wirken zu können. Er stellte am 2. April 1953 einen entsprechende Antrag. Dieser Antrag wurde jedoch am 12. August 1953 abgelehnt. In erster Linie bezog man sich dabei auf das oberflächlich recherchierte Obergutachten und gab u. a. folgende Gründe an: “Er besitzt nicht die zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde (...) erforderliche sittliche Zuverlässigkeit (...). Ihrem Mandaten fehlt infolge Schwäche seiner geistig-seelischen Kräfte die für die Berufsausübung erforderliche Eignung. Die Ausübung der Heilkunde durch Ihren Mandanten bedeutet eine Gefahr für die Volksgesundheit.”

Gründung des Gröning-Bundes
Aufgrund dieser negativen Erfahrungen gründete Bruno Gröning am 22. November 1953 den Gröning Bund. In Zukunft wollte er nur noch als Vor-tragsreisender von Glaubensvorträgen tätig sein. Vor allem strebte er einen geordneten Rahmen an und erhoffte sich durch diesen Bund auch einen gewissen Schutz. Unterstützt wurde er u. a. durch Persönlichkeiten wie Graf Zeppelin, Graf Matuschka und Freiin Anny Ebner von Eschen-bach. Bruno Gröning war davon überzeugt, dass niemand ihm verbieten konnte, Glaubensvorträge zu halten. Er bezog sich auf die freie Meinungs-äußerung und glaubte, endlich einen Weg ge-funden zu haben, der gesetzlich unanfechtbar war.

In dieser Zeit baute Bruno Gröning so genannte Gemeinschaften auf. Er sprach nun meist im kleineren Rahmen zu den Menschen. Es war ihm ein Anliegen, den Hilfe- und Heilungssuchenden eine Möglichkeit zu bieten, sich von seiner Lehre überzeugen zu können. Meist standen ihm dabei private Räumlichkeiten zur Verfügung.

   
 

Schon bald gab es in ganz Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz, in Italien und Frankreich regelmäßige Zusammenkünfte. Unermüdlich war Gröning unterwegs und hielt seine Glaubensvorträge.

 
     
 

 
     
 

Er sagte: “Trotz aller Widerstände wird es mir auch weiterhin Gebot sein, meinen Freunden und ihren noch leidenden Mitmenschen zu helfen (...). Ich bin nicht menschenhörig, sondern gotthörig (...). Es gibt für mich kein menschliches Gesetz, das mir derartiges verbieten kann (...). Für mich gibt es nur ein Gesetz, und das ist das göttliche.” 

Bereits im Jahre 1950 lernte Bruno Gröning Josette Dufossé kennen. Sie begleitete ihn in der Folgezeit immer häufiger und unterstützte ihn in seiner Arbeit. Sie kamen sich näher und heirateten schließlich im Juni 1955. Bruno Gröning verknüpfte dies jedoch mit einer außergewöhnlichen Bedingung. Er erklärte ihr, dass er in erster Linie für die kranken Menschen und erst in zweiter Linie für sie da sein könne. Josette Dufossé akzeptierte dies.

Erneute Anklage
Am 4. März 1955 erhob die Staatsanwaltschaft München erneut Anklage gegen Bruno Gröning. Es wurde ihm wiederum zur Last gelegt, gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen zu haben. Außerdem wurde er in einem Fall der fahrlässigen Tötung bezichtigt. Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt, im Rahmen des Gröning-Bundes, bereits viele Gemeinschaften aufbauen können. Die Entwicklung verlief recht positiv.

 
     
 

 
     
 

Bruno Gröning bat damals den Rechtsanwalt Dr. Schwander, in dieser Angelegenheit seine Verteidigung zu übernehmen. Ein enger Mitarbeiter Grönings, Egon Arthur Schmidt, wurde durch ein Gespräch unter vier Augen mit Dr. Schwander dabei auf recht eigenartige Vorkommnisse aufmerksam: “Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft werde ganz offensichtlich von Hinterkräften angeregt, mit aller Schärfe gegen Bruno Gröning vorzugehen. Man bemühe sich allerdings, es zu keiner öffentlichen Verhandlung kommen zu lassen und sich um eine Gerichtsentscheidung herumzudrücken und hoffe dies dadurch zu erreichen, dass schon vorher in aller Stille gegen Gröning ein Verfahren zur Aberkennung seines normalen Geisteszustandes eingeleitet werde (...). Man habe ihm jedoch, so betonte Dr. Schwander, ganz offen zu verstehen gegeben, dass man seine Verteidigung sehr ungern sehe, da er schon im ersten Schriftsatz wesentliche Schwächepunkte der Anklageschrift aufgezeigt und die Sachbearbeiter in Verlegenheit gebracht habe. Die Staatsanwaltschaft, vor allem die hinter ihr stehenden Mächte, haben alles darauf angelegt, Bruno Gröning so abzuwürgen, dass er keine Gefahr mehr für sie darstellen kann. Man werde nicht davor zurückschrecken, sein Wirken als gemeingefährlich hinzustellen (...). Dr. Schwander betonte wiederholt: Es geht jetzt um Sein oder Nichtsein!” 

Für Bruno Gröning nahmen die Demütigungen kein Ende. Er musste sich zur Vorbereitung des Prozesses tatsächlich auf Zurechnungsfähigkeit untersuchen lassen. Ein umfassendes nervenfachärztliches Gut-achten wurde dem Gericht zugestellt.

 
     
 

 
     
  Sein Kampf gegen die Staatsanwaltschaft  
 

Man kam u.a. zu folgendem Ergebnis: “Bewusstseinsklarer, voll orientierter Mann (...). Der formale Denkvollzug ist in Takt. Inhaltlich findet sich nichts Abnormes (...). Gröning hat eine sehr gute Merk- und Konzentrationsfähigkeit. Die Intelligenz ist gut durchschnittlich (...). Besonders gute Leistungen zeigt Gröning aber auch im Erkennen von Sinnzusammenhängen in menschlichen Situationen (...). Die Intelligenzprüfung (...) ergibt einen verbalen Intelligenzquotienten von 107, (...) also eine leicht überdurchschnittliche Leistung (...). Er besitzt eine ausgeprägte Selbstdisziplin (...). Vor allem hat er echtes Mitgefühl. Seine Wirkung auf Heilungssuchende ist nicht aus negativen Persönlichkeitseigen-schaften zu erklären.”

 
     
 

Vom Schöffengericht München wurde Bruno Gröning vorgeladen, am 30. und 31. Juli 1957 zum Hauptverfahren zu erscheinen. Die Anklagepunkte lauteten: Im wiederholten Falle Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz. Außerdem fahrlässige Tötung im Falle einer jungen Frau namens Ruth Kuhfuß, der er im Jahre 1949, in Verbindung mit seinem früheren Manager Otto Meckelburg, begegnet war.

Für Gröning waren die Anklagepunkte nicht nachvollziehbar. Immer wieder hatte er betont: “Nicht ich heile, sondern es heilt die göttliche Kraft durch mich.” Die Kraft Gottes ströme durch seinen Körper zu den Menschen. Er sei nur ein Werkzeug. Zum Anklagepunkt der fahrlässigen Tötung wendete er sich sogar schriftlich an seine Freunde: “Ich soll einem (...) Tbc-kranken Mädchen Ende 1949 die Heilung versprochen und es daran gehindert haben, ein Sanatorium und einen Arzt aufzusuchen. Ich sei an dem Tode dieses jungen Menschenkindes schuld. Wer mit klarem Verstande diese Meldungen gelesen oder gehört hat, wird erkannt haben, was mit ihnen bezweckt werden soll: Verwirrung unter meinen Freunden herbeizuführen und alle Suchenden davon abzuhalten, sich mit unseren Bestrebungen und dem von mir verkündeten Erkenntnisgut näher zu befassen (...). Meine Freunde (...) wissen, dass ich keine Heilungsversprechen mache und dass ich von ärztlicher Behandlung nie abrate.” (aus: Th. Eich “Das Wirken Bruno Grönings”, Seite 45)

Otto Meckelburg, der frühere Manager Bruno Grönings, behauptete im Prozessverlauf, Gröning hätte Ruth Kuhfuß die Heilung versprochen und dringend von jedem Arztbesuch abgeraten. Bruno Gröning wiederum behauptete genau das Gegenteil, nämlich dass Meckelburg ohne sein Wissen ein Heilversprechen gegeben hätte, obwohl Gröning ihm gegenüber äußerte, dass er in diesem Fall auch nicht helfen könnte. Meckelburg hätte ihm nicht geglaubt und eine mögliche Heilung als Sensations-Nachricht in der Presse verwenden wollen. Unter Androhung einer hohen Schadensersatzsumme wurde er gezwungen, den Kontakt aufrechtzuerhalten. So stand Aussage gegen Aussage.

Otto Meckelburg äußerte sich, wie es das Gerichtsprotokoll der Verhandlung beweist, sehr widersprüchlich: “Er sei nicht dabei gewesen als Gröning sich mit Kuhfuß unterhielt. Der Richter bewies aufgrund des Protokolles das Gegenteil, denn darin behauptete er, Gröning hätte den Arzt verboten. Meckelburg gab an, er könne sich an nichts mehr erinnern!”

Eine eidesstattliche Erklärung von Georg Beuchel, der in Begleitung eines  Nervenarztes namens Dr. Keim damals zugegen war, als Gröning zum ersten Mal auf Ruth Kuhfuß traf, bringt weiteres Licht in diese Angelegenheit: “Herr Gröning äußerte sich in meinem Beisein zu Herrn Dr. Keim, in diesem Hause würde sich eine Kranke befinden, der aber auch er, Gröning, nicht helfen könne (...). Aufgefallen war uns in diesem Zusammenhang jedoch, dass ein Herr (...) Meckelburg, besonderen Wert darauf gelegt hatte, Herrn Gröning mit den Gästen Kuhfuß bekannt zu machen. Herr Meckelburg wurde sogar böse, als Herr Gröning seiner Aufforderung, das Zimmer, in welchem Herr und Fräulein Kuhfuß untergebracht waren, zu betreten, nicht sofort Folge leisten wollte. Mein Eindruck als auch der Herrn Dr. Keims, den er mir gegenüber mehrfach geäußert hatte, in Bezug auf den (...) Manager Meckelburg war denkbar schlecht und abstoßend.” 

Im Verlauf der Verhandlung wurde durch Aussagen der Mutter von Ruth Kuhfuß ebenfalls deutlich, dass Gröning auch in diesem Fall nicht von einer ärztlichen Behandlung abgeraten hatte. Es existieren auch heute noch viele Vorträge auf Tonbändern von Bruno Gröning, die beweisen, dass er niemals vom Arztbesuch abriet. Im Gegenteil sogar.

Bischof Kunst schrieb in diesem Zusammenhang dem Gericht rückblickend zur Herforder Zeit: “Nie ist mir bekannt geworden, dass er einen Kranken zu bewegen suchte, auf die Hilfe der Fachmediziner zu verzichten.”

Bezüglich des zweiten Anklagepunktes, dass er wiederholt gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen hätte, bezog u.a. ein Grenzwissenschaftler namens Professor Hohmann Stellung: “Gröning selbst hat mit dem Heilparagraphen überhaupt nichts zu tun. Sobald man in diesem Punkt Anklage erhebt, klagt man den Herrgott selbst an. Was er wirklich tut (...) ist Apostelgeschichte. Er hält Glaubensvorträge (...). Kann man ihn deswegen bestrafen? Müsste man nicht jeden (...) Pfarrer, der Krankenbesuche macht, der aufrichtet und tröstet, auch unter Anklage stellen? Wie oft werden Kranke beim Spenden der kirchlichen Gnadenmittel wieder gesund, wenn Gott ihnen übersinnliche Kräfte zukommen lässt (...)? Gröning selbst wirkt wie ein Transformator (...). Ohne sein Zutun werden Heilungssuchende aufgeladen, sie empfangen den Strom (...). Er ist lediglich Werkzeug einer höheren Macht, eines höheren Willens.”

Verhängnisvoll wurde für Bruno Gröning, dass viele Zeugen beim Prozess ihn und sein Tun mit medizinischen Begriffen beschrieben, so dass sich der Verdacht des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz verhärtete. Man sprach vom „Wunderdoktor Gröning“, seine Vorträge wurden als Behandlungen bezeichnet, usw., so wie man es vom Arztbesuch gewohnt war.

 
     
 

 
     
 

Auf diese Weise wurde Bruno Gröning wegen wiederholten Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz eine Geldstrafe von 2000 DM auferlegt. Vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung sprach man ihn allerdings frei. Durch den Fehler seines Anwaltes, der das Urteil weit positiver einschätzte als Gröning selbst, wurde keine Berufung eingelegt. Obwohl das Urteil auf den ersten Blick positiv aussah, war es für Gröning unannehmbar, da ihm dadurch in jeder Hinsicht die Hände gebunden waren. Selbst Glaubensvorträge schienen nicht mehr möglich zu sein. Außerdem geriet er durch die hohen Prozesskosten in große finanzielle Schwierigkeiten.

Sein Unverständnis bezüglich eines solchen Urteiles hielt Bruno Gröning in einer seiner handschriftlichen Notizen fest: „Wer gibt wem das Recht, mir zu verbieten, kranke Menschen, die tatsächlich von ärztlicher Seite voll und ganz aufgegeben sind, zu heilen? (...) Unzählige tausende Kranke (...) warten hoffnungsvoll auf Heilung. Wer übernimmt die Verantwortung? Ich klage all diejenigen an, im Namen aller Kranken, die es verbieten, Kranke zu heilen. (...) Sind wir für das Wohl der Staatsführung verantwortlich oder ist die Staatsführung für unser Wohl verantwortlich?“ (handschriftlich)

In seiner Not wendete er sich sogar brieflich an Bundeskanzler Adenauer. “Es geht niemals an, dass das heutige Gesetz sein Verbot dahingehend ausspricht, dass, wenn Menschen geholfen werden kann, dieses unmöglich gemacht wird, weil der Helfer nicht eine amtliche Bestätigung dafür aufweisen kann, noch, dass man ihm diese jemals aushändigen wird. Es ist unverständlich und beschämend, dass durch die mir auferlegte Strafe und die Verbote durch die Gesetze nicht alleine der Helfer - also ich selbst - getroffen wird, sondern, dass denen in ihrer Not nicht weiter geholfen werden darf, die nirgends woanders eine Hilfe finden können, weil das Gesetz es verbietet (...). Hierzu möchte ich einen Ausspruch Bismarcks einflechten: ´Wem Gott die Kraft gegeben, Menschen zu heilen, dem darf sie die Polizei nicht nehmen.`” Grönings Hilferuf wurde  nicht erhört.

Seine Motivation nicht aufzugeben und für die Hilfe- und Heilungssuchenden weiterzukämpfen, erwuchs aus einem echten Mitgefühl heraus. „Überall Menschen, die Hilfe, die Heilung suchen (...). Mir tut es bis in die Seele leid, wenn ich dann immer wieder das eine Wörtchen vor mir sehe: Verbot! Wie mir da zumute sein muss und gewesen ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.“ (31.08.1949) Hier geht es nicht um das eigene Leben, sondern (...) den kranken Menschen zu helfen. Und davon gehe ich nicht ab, komme, was da wolle! Ich kann nicht vorübergehen, wenn ich Menschen sehe, die so krank daliegen und keine Hilfe haben können.“ (11.07.1949) „Ich weiß nicht, ob Ihnen das Herz bluten würde, wenn Sie diesen Menschen mit diesem schweren Leiden liegen lassen müssen, dass Sie ihm keine Hilfe geben können. Ich weiß nicht, ob Sie das Herz haben, dass Sie das mit ansehen können. Ich kann es nicht!“ (26.09.1950)

Der Spießrutenlauf Grönings ging weiter. Die Staatsanwaltschaft meldete sich abermals, die ihrerseits Berufung gegen das Urteil vom Juli 1957 einlegt hatte. Vom 14. bis 16. Januar 1958 kam es erneut zum Prozess gegen Gröning. Für ihn war es wohl der schwerste Gang seines Lebens, denn es zeichnete sich immer mehr ab, dass er keine Chance gegen den Machtapparat des Rechtsstaates hatte. Seiner Überzeugung nach ging es schon lange nicht mehr um Recht oder Unrecht, sondern nur noch darum, ihn endgültig „hinter Gitter“ zu bringen. Diesmal verurteilte man ihn tatsächlich zu 5000 DM Geldstrafe wegen Vergehens gegen das Heilpraktikergesetz und befand ihn auch der fahrlässigen Tötung im Falle Ruth Kuhfuß für schuldig und verurteilte ihn zusätzlich zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung. 

Bruno Gröning wurde auch vom Gröning-Bund bitter enttäuscht. Die Unterstützung, die er sich versprochen hatte, erhielt er nicht. Durch engstirnigen Bürokratismus und fehlenden Einsatz, wie er selbst sagte, hätte man ihm sehr geschadet. Er fühlte sich vor allem bei den Prozessen im Stich gelassen, d.h. was die Finanzierung betraf; Aktionen gegen die Pressehetze wären ebenfalls unterblieben. An Stelle des Gröning-Bundes wurde am 4. Mai 1958 der “Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebens-grundlagen” gegründet. Grönings Name tauchte dabei nicht mehr auf, da, wie er sagte, sein Name bei vielen wie ein „rotes Tuch auf den Stier“ wirken würde. Aufgrund der Tatsache, dass Bruno Grönings Rechtsanalt Dr. Grasmüller gegen das Urteil von Januar 1958 Revision einlegt hatte, meldete sich die Staatsanwaltschaft erneut.

Das Ende naht
Im Spätherbst 1958 fuhr Bruno Gröning mit seiner Frau Josette nach Paris. Sie drängte ihn zu dieser Fahrt, da sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechterte. Ihr Weg führte sie zu dem gut befreundeten Arzt und Krebsforscher Dr. Grabon. Aufgrund von Röntgenaufnahmen diagnostizierte man bei Gröning Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Dr. Grabon wollte Bruno Gröning sofort operieren, doch er bestand darauf, trotz heftiger Proteste der Ärzte, noch einmal nach Hause zu fahren. Dort besprach er in seinem Haus in Plochingen am 4. Dezember 1958 ein Tonband für alle Gemeinschaften, da er selbst zu den von ihm zugesagten Weihnachtsfeiern nicht mehr persönlich erscheinen konnte. Dieses letzte offizielle Tondokument nutzte er zu einem eindringlichen Aufruf Christus und seiner Lehre endlich zu folgen.

Bruno Gröning fuhr kurze Zeit später, in Begleitung seiner Frau, wieder nach Paris. Auf Anraten Dr. Grabons begab er sich in die Privatklinik von Dr. Bellanger, einem angesehenen Spezialisten für Krebschirurgie, in die “Rue Henner”.

 
     
 

 
     
 

Am 8. Dezember 1958 wurde Bruno Gröning dort operiert, doch sein Zustand war schlimmer als erwartet. Sowohl Dr. Bellanger als auch Dr. Grabon waren schockiert. Gröning hatte bereits vor der Operation seiner Frau angedeutet: “Es ist viel schlimmer als das, was die Röntgenaufnahmen zeigen.” “Ich weiß, was mir fehlt, mir kann keiner helfen!“

Interessanterweise schrieb der Verleger der Zeitschrift „Neues Europa“, Herr Louis Emmerich, in seinem Buch “Der sechste Sinn” über ein Erlebnis mit Bruno Gröning im Frühsommer 1956: “Als wir nach dem Kaffee allein beisammensaßen und über Dinge von morgen sprachen, bekannte er mir plötzlich: ´Ich werde nicht mehr sehr lange leben, nur noch wenige Jahre; ich werde 1959 sterben.` Ich redete ihm diese Auffassung aus, war aber von dem Ernst, mit welchem er betonte, dass er 1959 sterben werde, aufs tiefste betroffen.” Bruno Gröning hatte bereits Jahre zuvor immer wieder betont, dass er seine Sterbestunde kennen würde.

 
     
 

 
     
 

Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass Bruno Grönings dick angeschwollener Hals nach seinen Aussagen nichts mit einer Krankheit zu tun hatte, wie manche vermuteten. Man fragte sich damals, wieso er so vielen Menschen zum Heil verhelfen konnte, aber selbst an einem Kropf litt. Er sprach jedoch in diesem Zusammenhang von einer Drüse, die bei der Weitergabe der göttlichen Kraft anschwoll und ein Wohlgefühl in ihm auslöste. Interessanterweise ist dieses Phänomen auch teilweise bei anderen Heilern zu finden.

Am 22. Januar 1959 kam es schließlich vor dem Oberlandesgericht München zur Revisionsverhandlung. Gröning wollte das Urteil vom Januar 1958 anfechten, das einem Heilverbot gleich kam. Er selbst konnte jedoch bei der Verhandlung nicht mehr anwesend sein. Zum exakt gleichen Zeitpunkt musste er sich in Paris aufgrund des Verschlusses des Dickdarmbogens einer Notoperation unterziehen. Dr. Bellanger zeigte sich Josette Gröning gegenüber sehr betroffen: “Die Zerstörung in Brunos Körper ist furchtbar. Es ist eine innere totale Verbrennung. Wie er so lange (...) leben konnte ist mir ein Rätsel. Das Ende ist aber nahe.”

Gröning starb am 26. Januar 1959 um 13.46 Uhr in Paris. Er selbst äußerte oft, dass dies seine glücklichste Stunde sei, wenn er den Körper endlich verlassen und heimgehen dürfe, heim zu seinem Vater. Dr. Bellanger sagte damals mit Tränen in den Augen zu Josette Gröning: “Diese gottbegnadeten Menschen haben auf der Erde einen schweren Weg. Ihre Tragödie ist es, sich selbst nicht helfen zu dürfen, nachdem sie Tausenden geholfen haben. Bruno Gröning war ein Übermensch.” und “Er war auf der Bahn Christi.”

Im Totenschein wurde vermerkt, dass Bruno Gröning an Krebs gestorben sei. Dr. Bellanger bezeichnete Grönings Zustand ursprünglich als innere, totale Verbrennung, eine Todesursache, die Gröning vorher-gesehen hatte, wenn man ihm das Heilen immer wieder verbieten würde.

Das Phänomen Gröning schien endgültig beendet zu sein. Dennoch betonte Bruno Gröning: „Was meine Gegner tun mussten, haben sie restlos getan und sind damit am Ende. Ebenso habe ich getan, was ich tun musste – dieses aber ist erst der Anfang!“ (handschriftlich) „Und wenn man mich in eine Regentonne steckt und mit derselben vergräbt, so geschieht doch, was geschehen soll.“ (29.09.1950) „Aufzuhalten ist es nicht, in der ganzen Welt soll sich die Heilung vollziehen!“ (Datum unbekannt)

 
     
 
   
     

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