
„Gibt es einen Grundsatz, nach dem man sein ganzes Leben richten kann? Ja, die Nächstenliebe!“ (handschriftlich) Dieser Leitsatz Bruno Grönings verdeutlicht seine tiefe, innere Einstellung. Sehr oft kommt er auf diesen zentralen Punkt seiner Lehre zu sprechen. „Der Mensch ist ein Geschöpf der Liebe. Was in der Liebe geschaffen, kann nur in der Liebe leben. Liebe ist Gott!“ (handschriftlich) Diese Liebe, so betont er, kann der Mensch in sich aufnehmen, d.h. die Liebe zu Gott, zu sich selbst und seinen Nächsten, wenn er sich auf Gott konzentriert und Ihn darum bittet.
Die Verbreitung der Liebe unter den Menschen sieht er als Garant für die Entwicklung von wahrem Frieden auf der Erde. „Sie sollen Mensch zu Menschen sein. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Nicht gehässig, nicht falsch (sein), niemandem etwas Schlechtes antun. Sie sollen alle gut sein, gut untereinander. Sie sollen wissen, dass Sie zusammengehören, ob arm oder reich.“ (27.08.1949) „Das kann man schon als Mensch tun, seinen Mitmenschen (...) zu helfen. Wenn es jeder tut, dann ist ja wieder der Friede auf Erden.“ (19.09.1950)
Das tätige Umsetzen von Nächstenliebe war für ihn auch der Weg zum wahren, inneren Glück. „Liebe Freunde, so Sie Gutes nicht nur an sich selbst, sondern schon an Ihren Nächsten tun, das ist ein wirklich wahrer Gottesdienst. Dann werden Sie auch den Lohn Gottes empfangen. Glauben Sie es mir. Nicht herzlos sein, sondern nehmen Sie viel Gutes, nehmen Sie die Liebe Gottes in sich auf, dann sind auch Sie ein anderer. Dann haben Sie keine Sorgen und Nöte, im Gegenteil: dann sind Sie ein lebensfroh, bejahender Mensch. Sie zählen sich dann zu den glücklichsten Menschen (...). Wie glücklich ist der Eine und der Andere, wenn er hier und dort mal einem Menschen das Leben gerettet, wie man sagt, als Lebensretter ausgezeichnet wird. Was für ein glückstrahlendes Gefühl hat dieser Mensch Zeit seines Lebens in sich. (...) Wer schon einem geholfen hat, auch dem Allernächsten, ich frage Sie, war das kein Glücksgefühl für Sie? Wenn Sie (ihm) nur eine Bleibe verschafft (haben), wenn Sie nur einen Stuhl gegeben oder das, was er sich nicht kaufen konnte, wenn es ein Bett war oder (...) ein Bekleidungsstück, es war doch ein Glücksgefühl! (...) Aber um wieviel wäre es schöner und um wieviel wäre es größer, ich meine hier das Glücksgefühl, wenn Sie mehr haben und mehr geben können. Und noch größeres Glück wird über Sie kommen, wenn Sie mit ihrem Nächsten teilen. (...) All diese kalten Herzen, liebe Freunde, müssen ja wieder erwärmt werden. Man muss seinem Nächsten sagen, dass wir alle das gleiche Geschöpf sind, wir alle nur von einem geschaffen sind, wir wirklich alle nur einen einzigen Gott haben, zu dem wir gehören und dem wir zu folgen haben. Der Mensch ist (...) lieblos geworden. Und gerade deswegen habe ich kurz den Krieg erwähnt, der die Not und das Elend herbeigebracht . Die Menschen sind erkaltet. Sie sind brutal geworden. Sie gehen, wie sie oft so sagen (...) über Leichen. Gott verlässt keine Menschen, nur haben Menschen Gott selbst verlassen! (...) Und daher sind sie lieblos geworden. Daher sind sie erkaltet. Daher haben sie so ein kaltes Herz. Sie haben weder das Empfinden, noch das Gefühl für ihre Nächsten. (...) Die Not und das Elend ist heute am größten. Und jetzt kommt Gott und ruft sie. Er ruft sie zurück, er ermahnt sie zum Guten. Ja er mahnt sie (...) das Liebevolle, das er jedem geboten hat, jetzt in sich aufzunehmen, (...).“ (06.10.1958)
