
Eine Grundvoraussetzung, um wieder zu Gott zurückzukehren, beschrieb Bruno Gröning mit folgenden Worten: „Er (der Mensch) muss gotthörig werden. Er muss in die göttliche Führung kommen, ohne diese gibt es kein Leben!“ (05.10.1958) Leider hätten sich aber viele abhängig von den Ansichten oder Meinungen ihrer Mitmenschen gemacht, wodurch der Weg zur Gotthörigkeit versperrt wurde. Deshalb warnte Bruno Gröning immer wieder eindringlich davor: „Freunde, nur nicht von Menschen abhängig sein, nur von Einem, wie es auch in Wirklichkeit ist: Wir alle sind von Gott abhängig!“ (05.10.1958) „Will der Mensch nicht frei sein? Aber er wurde ja von vornherein um diese seine Freiheit, die Gott ihm gegeben hat, gebracht, von Menschen, die unwissend sind, die nur in dem Glauben lebten, dieses, das und jenes müsste so sein, er hat sich zu fügen. Da ist er menschenhörig geworden! Und daher konnte er nicht mehr auf das hören, was Gott ihm zu sagen. Und daher stand er auch nicht mehr in der göttlichen Führung. Da wurde er schutzlos, da wurde er rechtlos!“ (05.10.1958)
Dieses Dilemma der Menschenhörigkeit ist nach unserer Überzeugung leider auch in vielen Religionen und spirituellen Bewegungen heutzutage noch sehr häufig verbreitet. Immer wieder gibt jemand den Ton an, äußert sozusagen den Willen Gottes, und alle anderen haben zu folgen. Wer nicht folgt, wird meistens zum Außenseiter oder zum schwarzen Schaf. Viele werden geächtet, verbannt oder ausgeschlossen. Durch solche Praktiken wird der einzelne Mensch entmündigt und um seine eigene Entscheidungsfähigkeit gebracht. Wer sich in solch ein Abhängigkeitsverhältnis begibt, wird niemals lernen, die eigene göttliche Stimme oder das Gewissen in sich selbst wahrzunehmen und das klare Gefühl, was gut oder schlecht für einen ist. Deshalb ist es offenbar ein fataler Fehler die Eigenverantwortung für sein Leben aus der Hand zu geben! „Höre in Stille auf Dein Gewissen. Horche ganz abgeschaltet auf dieses, Dein Gewissen, abgeschaltet von dem Tun um Dich, abgeschaltet von den Worten um Dich und abgeschaltet von den Gedanken um Dich. Horche in Dich hinein und (...) dieses Gewissen wird Dir antworten. Und wie diese Antwort sein wird, so lasse es gelten, so ist es allein wahr, denn Dein Gewissen, das ist Deine Seele und Deine Seele ist göttlich, ist Gott in Dir.“ (Oktober 1955)
In einem Vortrag forderte Bruno Gröning einmal die Menschen auf, sich selbst eine Frage zu stellen. Nach einer kurzen Zeitspanne fragte er sie, ob sie im Herzen eine Antwort erhalten hätten. Eine Frau, die er ansprach, bejahte dies. Bruno Gröning freute sich darüber und sagte dem Sinn nach: „Sehen Sie, Sie brauchen gar nicht den Gröning zu fragen. Es liegt alles in Ihnen selbst!“ Viele Zeitzeugen berichteten, dass Bruno Gröning sich grundsätzlich nicht gerne fragen ließ.
Sicherlich ist der Weg zum Selbstvertrauen nicht immer leicht. Bruno Gröning sagte diesbezüglich: „Üben Sie, üben muss ich schon sagen, üben Sie Selbstvertrauen!“ (05.10.1958) Und er erklärte weiter: „Selbstvertrauen ist Gottvertrauen!“ (Datum unbekannt) Man benötigt natürlich eine ganze Portion Mut, um die Angst vor Fehlentscheidungen zu verlieren. Sicherlich wird man ab und zu auch auf die Nase fallen. Dies ist jedoch nicht schlimm, wenn man bereit ist, aus seinen Fehlern zu lernen. Nur so wird es mit der Zeit möglich sein, die innere Herzensstimme immer deutlicher wahrzunehmen. Man muss es einfach nur üben und sich nicht von Tarot-Karten, einem Pendel, einem Medium oder einem Guru abhängig machen. Nur so wird sich das erfüllen können, was im „Vater unser“ immer wieder ausgesprochen wird: „Herr, Dein Wille geschehe!“
